Zwischen den Grenzen des Wachstums und der Finanzkrise
Angesichts von global steigendem Ressourcenverbrauch, Klimawandel und der Misere der Finanzkrise scheint die heutige Ökonomik zu erblassen. Die ökologischen Grenzen unseres Planeten werden durch einen übertriebenen Glauben an technischen Fortschritt bei Seite gerechnet. Die Grenzen der Finanzmärkte wurden mit Hilfe eines leidenschaftlichen Vertrauens auf die Selbstheilungskräfte der Märkte ausgeblendet.
Aktuell ist in den Wirtschaftswissenschaften ein Streit über die richtige Methodik zwischen anerkannten Vertretern des Fachs entbrannt (siehe Handelsblatt, FAZ…); es steht zur Diskussion, welches der richtige Entwicklungspfad der Wirtschaftswissenschaften sein soll. An diesem Punkt setzt die Vortragsreihe Real World Economics kritisch an und möchte neben einer angeregten Diskussion auch auf Perspektiven jenseits der bisherig gelehrten Meinung aufmerksam machen. Hierzu kommen in einer Vortragsreihe mehrere renommierte Wissenschaftler/Innen aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz beispielgebend für neue Denkansätze in der Ökonomie nach Heidelberg. Ein Thema, das immer wieder auftaucht, ist die Rolle des Wirtschaftswachstums. Eine Frage ist, ob der gesellschaftliche Wohlstand nicht trotz anhaltenden Wirtschaftswachstums zurückgeht, und welche Perspektiven es jenseits eines wachsenden BIPs geben könnte. Hierzu wird der für zahlreiche Werke zum Thema „Décroissance“ bekannte französische Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Serge Latouche seine Gedanken zum Thema „Nichtwachstum“ darlegen. Anlässlich des Weltklimagipfels in Kopenhagen stellt Prof. Dr. Hans Diefenbacher aus Heidelberg darüber hinaus den nationalen Wohlfahrtsindex (NWI) vor, der im Blick auf eine nachhaltige Gesellschaft die traditionelle Messung von Wohlstand an Hand von materiellem Wachstum um soziale und ökologische Aspekte ergänzt. Die Klimakonferenz von Kopenhagen wird auch als besonderer Anlass genommen, in diesem Zeitraum die Rolle der Wirtschaftswissenschaften und ihr Beitrag zur Lösung gegenwärtiger Krisen zu reflektieren. Prof. em. Dr. Adelheid Biesecker stellt in diesem Zusammenhang ihre Einschätzung der gegenwärtigen Krisen aus sozial-ökologischer Perspektive vor und analysiert diese mit Hilfe der Kategorie der (Re)Produktivität.
Im Hinblick auf das Selbstverständnis der Wirtschaftswissenschaften wollen wir an den aktuellen Methodenstreit anknüpfen. Der Vortrag „Finanzkrise und Ökonomik, ein Anlass zur Selbstreflexion“ von Prof. Dr. Helge Peukert macht hier den Auftakt, den Abschluss der Vortragsreihe bildet eine Podiumsdiskussion mit renommierten Vertretern des Fachs, welche Raum für eine aktive Diskussion aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer bieten wird.
